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16.05.2012

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Ausland
Frankreich: Castor-Transport nach Deutschland verzögert
Atommüll soll nach Gorleben gebracht werden

Abfahrt des Castor-Transports verzögert sich

Castor (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Mitarbeiter der französischen Eisenbahn füllen Gleis-Schotter an der Castor-Strecke wieder auf. Atomkraftgegner hatten diesen entfernt, um die Abfahrt des Atommüll-Transports zu verhindern. ]
Störaktionen von französischen Atomkraftgegnern haben die Abfahrt des Castor-Transports mit hochradioaktivem Müll aus Frankreich nach Deutschland verzögert. Anti-Atomkraft-Aktivisten entfernten Schotter von den Gleisen nahe des Verladebahnhofs Valognes und blockierten die Strecke mit Betonblöcken. Das französische Fernsehen berichtete von schweren Ausschreitungen zwischen Atomkraftgegnern und der Polizei. Ein Polizeiauto stehe in Flammen, die Sicherheitskräfte setzten massiv Tränengas gegen die Demonstranten ein. Laut Plan sollte der Transport am Wochenende im niedersächsischen Zwischenlager Gorleben eintreffen.

Sprengstoffverdacht an Castor-Strecke

Die deutsche Polizei untersucht derweil einen Verdacht auf Sprengstoff an der Castor-Strecke im Wendland. Bei Routinekontrollen in Quickborn im Landkreis Lüchow-Dannenberg sei an einem Gullydeckel im Ortskern etwas Auffälliges gemeldet worden, sagte ein Polizeisprecher. Außerdem hätten Sprengstoffhunde angeschlagen. Der Bereich wurde weiträumig abgesperrt.

In Deutschland sollen rund 20.000 Beamte den Transport der Castoren mit dem deutschem Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague schützen. Anti-Atomkraft-Initiativen planen entlang der Strecke zahlreiche Proteste. Sorgen bereitet den Behörden die Kampagne "Castor schottern". Wie im vergangenen Jahr hat die Gruppe dazu aufgerufen, massenhaft Steine aus dem Gleisbett der Strecke zu entfernen.

Demonstranten im französischen Valognes (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Mit der Polizei lieferten sich die Demonstranten ein Katz-und-Maus-Spiel.]
Anti-AKW-Demonstranten besetzen im französischen Valognes Gleise. (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Einigen gelang es, sich auf die Bahnstrecke zu setzen.]
 

Atomkraftgegner und Polizei rechnen aber nicht damit, dass in diesem Jahr mehr Castor-Gegner als im Vorjahr ins Wendland kommen. Die überregionale Mobilisierung sei geringer, hieß es bei der Polizei-Einsatzleitung in Lüneburg. 2010 war es den Atomkraftgegnern immer wieder gelungen, den Zug zu stoppen oder Nachschubwege für die Einsatzkräfte zu blockieren. Mit 33,5 Millionen Euro hatte der letzte Castor-Einsatz Rekordkosten verursacht.

Grünen bezweifeln Auswahlverfahren

Nach Ansicht der Grünen wurde Gorleben nie in einem wissenschaftlichen Auswahlverfahren zum möglichen Endlager bestimmt. Zu diesem Schluss kommt die Partei in einem Zwischenbericht zum Bundestags-Untersuchungsausschuss, aus dem die "Berliner Zeitung" zitiert.

Damit verbiete sich jeder weitere Transport nach Gorleben, sagte die Grünen-Obfrau im Ausschuss, Sylvia Kotting-Uhl, dem Blatt. Gorleben sei "politisch willkürlich und unter großem Druck" ausgewählt worden, betonte sie. Da jeder zusätzliche Castor nach Gorleben den Druck erhöhe, den Salzstock zum Endlager zu küren, müssten die AKW-Betreiber die Zwischenlagerung des Mülls an den AKW-Standorten beantragen, forderte die Grüne. Gorleben fungiert derzeit als Zwischenlager für atomaren Müll.

Vor knapp zwei Wochen hatte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) nach einem Treffen mit Vertretern aller Bundesländer die bundesweite Suche nach einem Atommüll-Endlager angekündigt. Es gehe darum, den sichersten Standort für ein Endlager zu finden. Gorleben wird aber weiter erkundet.

Stand: 23.11.2011 16:00 Uhr
 

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