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Ultra-orthodoxe Juden und säkulare Israelis stehen sich in der Stadt Beit Schemesch unversöhnlich gegenüber. Premier Netanjahu warnte nun vor einer "Iranisierung" Israels. Hinter den Kulissen erwägt er offenbar, Beit Schemesch zu teilen: in eine religiöse und eine säkulare Stadt.
Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
Für die Familie Margolese aus Beit Schemesch war gestern ein Glückstag. 10.000 Israelis kamen nach Beit Schemesch, eine Stadt zwischen Jerusalem und Tel Aviv, um ihre Solidarität mit der Familie zu zeigen. Die siebenjährige Tochter des Ehepaars Margolese war auf dem Schulweg immer wieder von Ultra-Orthodoxen bespuckt und angepöbelt worden, weil sie nicht züchtig gekleidet sei und den falschen Bürgersteig benutzte. Darüber berichtete der zweite israelische Fernsehkanal. Die gestrige Großdemonstration in Beit Schemesch war die Antwort der Säkularen auf die Versuche der Ultra-Orthodoxen, in der Stadt die Geschlechtertrennung einzuführen - auf Bürgersteigen, an Supermarktkassen und in Bussen.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu stimmte den säkularen Demonstranten zu, die vor einer "Iranisierung" Israels warnten. Bei einem öffentlichen Bibelquiz sagte Netanjahu zur Ausgrenzung von Frauen im öffentlichen Raum: "Dieses Phänomen widerspricht dem Geist der Thora und des Judentums und den demokratischen Werten, auf denen der Staat Israel basiert", sagte er. Zudem fechte es die Grundsätze des Judentums an, von denen einer heiße: "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst." "Ich begrüße es, dass herausragende Rabbiner und wichtige Führer der orthodoxen Gemeinde dieses Phänomen bekämpfen", fügte er hinzu.
Hinter den Kulissen dachte Netanjahu mit seinen Ministern schon über eine radikale Lösung der Probleme in Beit Schemesch nach: Die 90.000-Einwohner-Stadt soll geteilt werden - in eine religiöse und eine säkulare Stadt. Nach Informationen der Zeitung "Jedioth Achronoth" beriet Netanjahu bereits mit den Ministern seiner Likud-Partei über diese Möglichkeit und auch mit den Ministern der größten religiösen Partei in der Koalition, der Schas. Dies würde bedeuten, dass Beit Schemesch künftig zwei Bürgermeister und zwei Stadtverwaltungen hätte.
Gegen Netanjahus Idee wandte sich Shelly Yachimovich, die Vorsitzende der Arbeitspartei: "Ich weise diesen Vorschlag zurück. Das ist ein verzerrter Vorschlag", sagte sie im israelischen Rundfunk und fügte hinzu: "Wenn wir diesen Vorschlag annehmen, sollten wir auch darüber nachdenken, zwei Staaten zu bilden: einen Staat für die Ultra-Orthodoxen und einen für die Säkularen."
Yachimovichs Nein zum Teilungsplan überrascht. Denn genau diese Idee hatte ein Vertreter der Arbeitspartei im Stadtrat von Beit Schemesch, Richard Peres, schon vor zwei Jahren aufgebracht. Peres plädierte sogar dafür, eine Mauer zwischen den beiden Stadthälften zu bauen. Widerstand dagegen kommt auch aus Netanjahus Koalition. Jaakov Margi, Minister für religiöse Angelegenheiten von der Schas-Partei, erklärte im israelischen Rundfunk, dass dies genau die falsche Lösung wäre. "Sobald die Extremisten ihre Trennung in Beit Schemesch durchgesetzt haben, werden sie eine Kampagne anführen, und das wäre erst der Anfang."
Die Ultra-Orthodoxen von Beit Schemesch lassen jedenfalls nicht locker. Nach der Demonstration der Säkularen stellten sie ihre Schilder wieder auf, die einen Bürgersteig den Frauen zuweisen, den anderen den Männern.
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