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16.05.2012

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Spanien: Wie nahe stand Juan Carlos den Putschisten von 1981?
Diskussion über Rolle des spanischen Königs

Wie nahe stand Juan Carlos den Putschisten von 1981?

Im Februar 1981 stand Spaniens Demokratie vor dem Abgrund: Militärs stürmten das Parlament und versuchten einen Putsch. Dass der misslang, sei vor allem König Juan Carlos zu verdanken, hieß es bislang. Aber stand er den doch Putschisten näher? Deutsche Dokumente sorgen nun für Wirbel.

Von Nicholas Buschschlüter, ARD-Hörfunkstudio Madrid

Es ist eine Szene, die sich in das spanische Geschichtsgedächtnis eingebrannt hat: Am 23. Februar 1981 führt der Oberstleutnant der Guardia Civil, Antonio Tejero, im spanischen Parlament einen Putschversuch an. Er und 200 bewaffnete Kumpanen stürmen den Sitzungssaal. Sie schreien: "Auf den Boden alle!" und eröffnen das Feuer. Trotz der geballten Feuerkraft bleibt es jedoch nur bei einem Putschversuch.

Audio: Wirbel um den spanischen Putschversuch 1981

AudioNicholas Buschschlüter, ARD-Hörfunkstudio Madrid 07.02.2012 09:55 | 3'53
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Einen Tag später ist der Spuk schon wieder vorbei. Tejero ergibt sich, niemand wird verletzt. Maßgeblichen Anteil an Tejeros Rohrkrepierer hat König Juan Carlos, der sich während der bangen Stunden der Unterstützung wichtiger Militärspitzen versichert und schließlich eine historische Fernsehansprache hält: "Die Krone kann unter keinen Umständen Aktionen oder Einstellungen von Leuten hinnehmen, die den spanischen Demokratisierungsprozess gewaltsam unterbrechen wollen."

Putschist Antonio Tejero Molina am 23.2.1981 gestikulierend am Rednerpult im spanischen Parlament (Foto: picture alliance / dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Putschist Antonio Tejero Molina am 23. Februar 1981 mit gezogener Pistole im spanischen Parlament: Die gewaltsame Machtübernahme misslang. ]

  

Schatten auf der demokratischen Gesinnung des Monarchen

Ausgerechnet Informationen eines deutschen Diplomaten werfen nun jedoch - 30 Jahre später - einen Schatten auf die damalige demokratische Gesinnung von Juan Carlos. Lothar Lahn war von 1977 bis 1982 deutscher Botschafter in Madrid. Kurz nach dem Putschversuch kam er zu einem Gespräch mit dem spanischen Monarchen zusammen und kabelte danach Erstaunliches ins Auswärtige Amt in Bonn. Juan Carlos habe weder Abscheu noch Empörung gegenüber den Putschisten erkennen lassen, sondern vielmehr Verständnis, wenn nicht gar Sympathie.

Die Einschätzungen Lahns waren 30 Jahre unter Verschluss. Nun wurden sie vom Auswärtigen Amt turnusmäßig freigegeben und vom "Spiegel" zitiert. Walter Haubrich, ehemaliger langjähriger Korrespondent der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in Spanien, hat Zweifel an der Echtheit der Aussagen von Botschafter Lahn. "Ich glaube nicht, dass er das geschickt hat. Aber es ist ja wohl nach Deutschland ins Auswärtige Amt geschickt worden."

Wer hat die Depeschen dann aber geschickt oder vielleicht nachträglich verändert? Das bleibt offen. Haubrich spricht jedoch von einem Militärattaché in der deutschen Botschaft, der den Anteil des spanischen Militärs während des Putsches kleingeredet habe. "Weil seine spanischen Kameraden so etwas nicht täten, hat Lahn sofort eingegriffen und gesagt, dass dies die persönliche Meinung des Militärattachés sei - und die hat nichts mit der Meinung der Botschaft zu tun", ergänzte Haubrich.

Fernsehansprache Juan Carlos am 24. Februar 1981 (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Sieben Stunden nach der Erstürmung des spanischen Parlaments durch Putschisten sprach König Juan Carlos in der Nacht zum 24. Februar 1981 im Radio und Fernsehen zur spanischen Bevölkerung. ]

"Der König wollte Ruhe nach innen und nach außen"

Eine andere Ansicht vertritt dagegen Pilar Urbano. Die 71-jährige Journalistin und Schrifstellerin war während des Putsches im Parlament. Sie ist zudem Autorin mehrerer Biografien über die spanische Königsfamilie. Sie hält Lahns Einschätzungen für wahrheitsgemäß: "Der König wollte damals die Situation für das Militär nicht noch verschärfen, in einem Moment, in dem man vor allem Ruhe nach innen und nach außen brauchte. Aber vor allem nach außen, weil in diesen Tagen der Eintritt Spaniens in die NATO vereinbart wurde."

Urbanos Theorie: Juan Carlos lehnte zwar einen Putsch gegen die Demokratie ab, nicht aber gegen Regierungschef Adolfo Suarez, der sich gegen den NATO-Beitritt Spaniens wehrte. Da Suarez jedoch vor dem Putsch sowieso zurücktrat, hatte sich das Problem von selbst erledigt. In den folgenden Wochen habe Juan Carlos daraufhin in mehreren Gesprächen versucht, den Putsch zu "entdramatisieren". Die Veröffentlichung der deutschen Depeschen könnte dem König noch einiges Kopfzerbrechen bereiten, glaubt Urbano.

"Das leuchtende Bild des Königs war es immer, dass er der Mann war, der den Putsch und die Panzer stoppte. Wenn jetzt herauskommt, dass das, was er aufgehalten hat, nicht so wichtig war - was hat er dann eigentlich gestoppt?", fragt Urbano.

Stand: 07.02.2012 09:55 Uhr
 

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