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Er bezeichnet sich selbst als Demokratielehrer - und sein Engagement für Freiheit und Zivilcourage führt Joachim Gauck nun doch ins Bundespräsidialamt. Ein Konsenspräsident soll er sein - ein Vermittler zwischen den Regierenden und dem Volk möchte er werden.
Von Birgit Wentzien, SWR, ARD-Hauptstadtstudio
Irgendwann im Frühsommer 2010. Joachim Gauck war damals auf Tournee - für die Bündnis-Grünen und die SPD als gemeinsamer Kandidaten für das Bundespräsidenten-Amt. "Ich bin von weither, wissen sie", begrüßt er seine Zuhörer.
Berlin, Dresden, Leipzig, Rostock, wieder Berlin. Joachim Gauck reist quer durchs Land: "Ich mache keine billige Wahlpropaganda. Ich mache überhaupt keine Propaganda für die Wahl, ich mache auch keinen Wahlkampf. Ich stelle mich vor."
Er nahm seinen Bürositz in Berlin-Mitte im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, in dem Haus, in dem 1989 der Runde Tisch tagte. Er versammelte alte Weggefährten um sich und startete durch - als Joachim Gauck. Und bei aller Termindichte und allem Sturm auf seine eigene Person auch irgendwie unbekümmert: "Ich bin Realist, und ich kann auch zählen. Ich habe in meinem Leben Ereignisse erlebt, die lange als unwahrscheinlich galten. Deshalb gehe ich mit einer fröhlichen Gelassenheit auf den 30. Juni zu (Bundespräsidentenwahl 2010, Anm. d. Red.). Und ich werde da stehen und mich freuen, so wird es sein."
Irgendwann auf dieser Strecke ist Gauck zu Gast bei der SPD-Landtagsfraktion aus Rheinland-Pfalz. Er hat eine Dreiviertelstunde Zeit, und er legt sofort los. Seine Kandidatur sei eine Kandidatur der Ermutigung. Er wolle im Falle seiner Wahl ein "ständiger Vertreter der gesamten deutschen Demokratie" gegenüber den Bürgern sein: "Als Repräsentant des ganzen Volkes kann der Bundespräsident zwischen Regierten und Regierenden vermitteln und zu einer Verständigung der beiden beitragen, was so bitter nötig ist. Und er folgt keinen Parteiinteressen, jeder darf ihm vertrauen."
Joachim Gauck bleibt zugleich, was er ist: Eigen und quer. Sein Lebensthema ist Freiheit. Und seine Berufsbezeichnung? "Ach wissen sie, ich bin so etwas wie ein reisender Demokratielehrer", sagt er. "Deutsche können Freiheit, und das muss jede Generation neu lernen."
Stilsicher, vielbeschäftigt, vergnügt - auch auf Posten über zehn Jahre hinweg als Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde. "Ich hatte, immer die richtigen Feinde", sagt Gauck. "Und ich hatte vor allem die richtigen Freunde. Und das Interessante ist, dass die sich über das ganze politische Spektrum verteilen."
"Wir sind das Volk!" - das ist für ihn der schönste Satz in der deutschen Geschichte. Ein Aufruf zur Selbstermächtigung. Und seine Stimme in Gesprächen, Reden und Kommentaren wird immer dann besonders kräftig und dunkel, wenn es um bürgerliche Tugenden geht - im besten Sinn: Zivilcourage und Anstand und Offenheit. "Das ist nirgendwo selbstverständlich", sagt Gauck. Nicht im Osten und auch nicht im Westen: "Es gibt keine Charaktermauer zwischen den Deutschen. Und der Verrat war auch hier nicht Nationaltugend, sondern ein Prozent der aktuellen DDR-Menschen hat vielleicht als IM der Stasi gedient. Und im Westen gibt es auch genug Verräter - das gehört ins Bewusstsein der Nation."
Ein Mensch, der von sich sagt, er sei angekommen, obwohl er nie einen Fahrplan gesehen habe. Und der "im Rahmen des Menschenmöglichen" einräumt, er sei eitel - ein wenig: "Voller Überraschungen erlebte ich, dass man selbst als Mecklenburger populär werden kann."
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