
Baden-Württemberg Katholiken wählen neue Kirchengemeinderäte - doch es fehlen Kandidaten
In der Diözese Rottenburg-Stuttgart werden am Sonntag neue Kirchengemeinderäte gewählt - auch in der Region Bodensee-Oberschwaben. Doch mancherorts kann gar keine Wahl stattfinden.
Die Katholikinnen und Katholiken in der Diözese Rottenburg-Stuttgart wählen am Sonntag neue Kirchengemeinderäte. Die Gremien spielen in den Kirchengemeinden eine wichtige Rolle: Sie leiten die Kirchengemeinde gemeinsam mit dem Pfarrer und sind etwa für den Haushaltsplan und Projekte der Kirchengemeinde zuständig. Doch es gibt immer weniger Interessenten für einen Sitz im Kirchengemeinderat.
Kirchengemeinderatswahl findet nicht überall statt
In einigen Kirchengemeinden in der Region Bodensee-Oberschwaben, die mit den Dekanaten Biberach, Allgäu-Oberschwaben, Friedrichshafen und Saulgau zur Diözese Rottenburg-Stuttgart gehört, findet deshalb keine Wahl statt.
Im Vergleich zur vergangenen Kirchengemeinderatswahl im Jahr 2020 ist die Zahl der Mitglieder in den Kirchengemeinden auch in der Region Bodensee-Oberschwaben gesunken. Daher hätten manche Gemeinden die Anzahl der Sitze in ihrem Kirchengemeinderat bereits reduziert, heißt es von der Diözese Rottenburg-Stuttgart auf SWR-Anfrage. Trotzdem sei es nicht in jeder Gemeinde gelungen, genug Kandidaten oder Kandidatinnen zu finden.
Keine Wahl etwa in Gemeinden in Tettnang und Ravensburg
Überall dort, wo Plätze auf der Liste offen blieben, kann am Sonntag nicht gewählt werden. Eine Art Übergangsrat kümmert sich dann um die nötigsten Aufgaben des Kirchengemeinderats, bis genügend Kandidaten gefunden sind und eine Wahl nachgeholt werden kann. Am Sonntag nicht gewählt wird zum Beispiel in der Kirchengemeinde St. Gallus in Tettnang (Bodenseekreis) und in der Gemeinde St. Jodok in Ravensburg. In Ravensburg kommt sogar zum dritten Mal in Folge keine ordentliche Wahl zustande.
Doch es gibt auch Kirchengemeinden, in denen es ganz anders aussieht: In der Kirchengemeinde St. Peter in Bad Waldsee (Kreis Ravensburg) fanden sich laut Diözese zum Beispiel 17 Kandidierende für das zwölfköpfige Gremium.

Die Kirchengemeinderatswahl findet als Briefwahl statt. Alle Wahlberechtigten haben dafür Briefwahlunterlagen per Post bekommen.
Auch in der Kirche: Weniger Zeit fürs Ehrenamt
Wolfgang Ilg organisiert als Wahlvorstand die Kirchengemeinderatswahl für die Gemeinde St. Maria in Meckenbeuren (Bodenseekreis) und arbeitet eng mit den Wahlvorständen der Kirchengemeinden in Brochenzell und Kehlen (beide Bodenseekreis) zusammen. Dort gibt es ausreichend Bewerber.
Für die Wahl in diesem Jahr sei es aber deutlich schwieriger gewesen, Kandidatinnen und Kandidaten zu finden, als noch bei der Wahl vor fünf Jahren, sagt er. Ein Hauptgrund für ihn: Veränderungen in der Gesellschaft. Viele hätten nicht mehr genug Zeit für ein Ehrenamt. Außerdem verliere die Kirche immer mehr an Bedeutung.
Die Christen, die sich mit Freude engagieren, werden immer weniger. Wolfgang Ilg, Wahlvorstand in Meckenbeuren
Ilg war selbst 25 Jahre lang im Kirchengemeinderat aktiv. Besonders viel Spaß habe es ihm immer gemacht, mit dem Gremium die Arbeit in sozialen Bereichen in der Gemeinde voranzutreiben. Vor fünf Jahren schied er aber aus dem Kirchengemeinderat aus "Jetzt dürfen mal andere ran", sagt er dazu.
Amtszeit von fünf Jahren für viele zu lang
Im Dekanat Biberach kann laut Diözese in insgesamt acht der rund 120 Kirchengemeinden nicht gewählt werden - unter anderem wegen Kandidatenmangels. Das sei ein allgemein kirchliches Problem, sagt der dortige Dekan Stefan Ruf. "Es liegt sicher auch an der Situation der Kirche. Einige hätten sich in den vergangenen Jahren mehr Veränderung gewünscht", so Ruf.
Außerdem nehme die Bedeutung des Ehrenamts ab - in der Kirche gleichermaßen wie bei Vereinen. "Speziell beim Kirchengemeinderat hatten viele auch wegen der langen Amtszeit von fünf Jahren Bedenken. Viele möchten sich nicht so lange binden", sagt Stefan Ruf.
Das sind für Dekan Stefan Ruf die Gründe dafür, dass es in diesem Jahr auch im Dekanat Biberach schwierig war, Kandidaten für die Kirchengemeinderatswahl zu finden:
Der Dekan möchte das Ehrenamt stärken, um langfristig wieder mehr Freiwillige zu finden - etwa für ein Engagement im Kirchengemeinderat. "Das Ehrenamt sollte wieder mehr Wertschätzung erfahren. Das gehen wir im Dekanat Biberach bereits an."
Diözese Rottenburg-Stuttgart stößt Umstrukturierungsprozess an
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart will sich besser für die Zukunft aufstellen und hat deshalb Mitte März den sogenannten Entwicklungsprozess "Kirche der Zukunft" gestartet. "Angesichts großer Herausforderungen wie dem Mitgliederverlust, sinkender Kirchensteuereinnahmen und dem Rückgang des pastoralen Personals müssen wir prüfen, wie der Weg der Diözese in die Zukunft aussehen kann", sagte Bischof Klaus Krämer dazu. Man müsse in den kommenden drei Jahren bestehende Strukturen kritisch hinterfragen - auf allen Ebenen bis hin zu den rund 1.020 einzelnen Kirchengemeinden der Diözese.
Wie sich die Diözese dadurch verändert, ist noch nicht klar. Fest steht laut einer Mitteilung aber schon jetzt, dass die pastoralen Strukturen schlanker werden sollen. Das könnte auch Veränderungen für die Struktur der Kirchengemeinderäte bedeuten.
Wolfgang Ilg aus Meckenbeuren und der Biberacher Dekan Stefan Ruf vermuten, dass es durch die Veränderungen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart künftig nicht mehr für jede Kirchengemeinde einen eigenen Kirchengemeinderat geben wird, sondern Gremien in größeren Einheiten. "Ich glaube, wir müssen uns als Kirche in der Fläche aufstellen. Kirche ist etwas Lebendiges, etwas Organisches, das kann sich auch in größeren Gebieten abspielen", so Dekan Stefan Ruf.
Diözese Freiburg legt Gemeinden zu Großpfarreien zusammen
Die Diözese Freiburg ist in diesem Prozess schon einen Schritt weiter. Im kommenden Jahr werden Kirchengemeinden und Pfarreien zusammengelegt. So werden dort aus mehr als 1.000 Pfarreien 36 Großpfarreien.
Man reagiere damit auf den Rückgang von Gläubigen, Pastoralreferentinnen und Priestern. "Es handelt sich dabei um die größte Transformation der Erzdiözese seit ihrem Bestehen", heißt es in einem Schreiben der Diözese Freiburg.
Auch Pastoralräte werden am Sonntag gewählt
Neben den Kirchengemeinderäten werden am Sonntag in der Diözese Rottenburg-Stuttgart auch neue Pastoralräte gewählt. Ein Pastoralrat hat ähnliche Aufgaben wie ein Kirchengemeinderat. Das Gremium wird in Gemeinden für Katholiken anderer Muttersprache gewählt. Im Dekanat Biberach gibt es zwei Gemeinden mit Katholiken kroatischer Muttersprache, im Dekanat Friedrichshafen eine italienische und eine kroatische Gemeinde.
Sendung am Sa., 29.3.2025 9:30 Uhr, SWR4 BW Studio Friedrichshafen