Prostituierte an einer Straße
Player: audioVerbot von Straßenprostitution in Karlsruhe tritt in Kraft

Baden-Württemberg Wegen krimineller Strukturen: Straßenprostitution ist in Karlsruhe seit Freitag verboten

Stand: 24.03.2025 08:37 Uhr

In Karlsruhe gilt seit Freitag für das gesamte Stadtgebiet ein Verbot der Straßenprostitution. Die Stadt versucht damit, Menschenhandel und Zwangsprostitution einzudämmen.

Am 21. März ist das Verbot der Straßenprostitution in Karlsruhe in Kraft getreten. Die Stadt hatte das Verbot Anfang des Monats beschlossen. Demnach wird das "Ausüben von sexuellen Dienstleistungen im öffentlichen Raum" mit einem Zwangsgeld von 500 Euro bestraft. Wer wiederholt dagegen verstößt, zahlt 1.000 Euro. Das Verbot gilt zunächst für ein halbes Jahr. Lizenzierte Bordellbetriebe sind davon nicht betroffen. 

Die Stadt begründet die Entscheidung mit polizeilichen Ermittlungen aus dem Januar. Bei einer Aktion in Zusammenarbeit mit Behörden aus Ungarn waren mehrere Personen im Zusammenhang mit Menschenhandel und Zwangsprostitution festgenommen worden. Sie sollen Frauen gegen ihren Willen nach Deutschland gebracht und zur Prostitution gezwungen haben.   

Verbot von Straßenprostitution: Beratungsstellen bieten Hilfe an

Seit 2014 gibt es einen weiträumigen Sperrbezirk für Straßen- und Wohnungsprostitution in der Innenstadt. Doch in den letzten Jahren gab es aber immer wieder Probleme und Beschwerden aus Durlach und an der Wolfartsweierer Straße/Ecke Ostendstraße. Knapp außerhalb des Sperrbezirks gibt es Hotspots, die auch der Karlsruher Beratungsstelle für Betroffene "Luise" bekannt sind. Sie wird von der Diakonie betrieben.

Wenn Frauen sich das Verbot zum Anlass nehmen, aus der Prostitution auszusteigen, haben wir ein Angebot mit Sprachkursen und helfen mit dem Jobcenter. David Ostern von der Diakonie Karlsruhe

Die Beratungsstelle der Diakonie hat im Vorfeld versucht, sich bestmöglich auf das generelle Verbot in Karlsruhe vorzubereiten. "Unsere drei Sozialarbeiterinnen waren jetzt noch mal sehr präsent vor Ort und haben aufgeklärt", erklärt David Ostern von der Diakonie in Karlsruhe.

Er begrüßt zwar das offensive Vorgehen von Stadt und Polizei gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution. "Unsere Befürchtung ist aber, dass die Frauen in andere Städte ausweichen oder ihrer Arbeit zu Hause nachgehen und wir sie dann nicht mehr erreichen." So könne sich die Situation der Betroffenen vielleicht sogar verschlechtern. 

Beifall und Kritik am Verbot der Straßenprostitution in Karlsruhe

Auch die "Bürgerinitiative Durlach gegen Prostitution" betont, dass das Verbot ein guter Schritt sei. Vor allem für Anwohner in den betroffenen Straßen. Aber auch sie übt in einer Pressemitteilung Kritik daran, dass nun die Frauen kriminalisiert würden, aber nicht die Freier. Stattdessen fordert die Initiative eine bundesweite Neuregelung nach dem "Schwedischen Modell".  

Das "Schwedische Modell"
Im sogenannten "Schwedischen Modell" oder auch "Nordischen Modell" werden die Käufer von Sexarbeit strafrechtlich verfolgt, nicht die Prostituierten. Es ist ein Modell, für das sich auch das EU-Parlament 2023 ausgesprochen hat, weil es die Prostitution insgesamt eindämme. Kritik am "Schwedischen Modell" Unumstritten ist das "Schwedische Modell" aber nicht. Die Organisation "Global Network of Sex Work Projects" kritisiert etwa, dass durch den kleineren Markt für Sexarbeit größere Konkurrenz und damit niedrigere Preise einhergehen - zum Nachteil der Betroffenen. Gleichzeitig steige auch das Risiko für Gewalt an Prostituierten und HIV-Infektionen, da die Zeit zum Aushandeln der Bedingungen kürzer sei, aus Angst der Freier und der Prostituierten, auf der Straße erwischt zu werden. 

David Ostern von der Diakonie sucht Lösungsansätze eher in der näheren Umgebung. 2022 hatte die Diakonie mit Gemeinderatsmitgliedern einen Antrag eingebracht, der Straßenprostitution entsprechend regulieren wollte. "Es braucht einfach mehr als nur Verbote. Wir brauchen einen regulierten Ablauf und mehr Hygienestandards zum Schutz der Frauen."

Sendung am Fr., 21.3.2025 6:00 Uhr, SWR4 BW am Morgen, SWR4 Baden-Württemberg

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