Tarifkonflikt - Verdi ruft für Montag zu ganztägigem Warnstreik bei BVG auf

Do 23.01.25 | 18:34 Uhr
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Trams der Berliner Verkehrsbetriebe BVG stehen am 29.02.2024 auf dem Betriebsbahnhof Lichtenberg in Berlin. (Quelle: Picture Alliance/Florian Gaertner)
Audio: rbb 88.8 | 22.01.2025 | Andreas Marschner | Bild: Picture Alliance/Florian Gaertner

Verdi macht ernst im Tarifstreit mit der BVG: Die Gewerkschaft kündigt für Montag einen ganztägigen Warnstreik an, mit massiven Auswirkungen. "Unverhältnismäßig", sagt die BVG.

  • Mitarbeiter:innen der BVG am Montag zum Warnstreik aufgerufen
  • Ausfälle bei Trans und U-Bahnen erwartet - einige Busse fahren aber
  • Nächste Gesprächsrunde im Tarifkonflikt für 31. Januar geplant

Fahrgäste der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) müssen sich kommenden Montag auf erhebliche Einschränkungen im Berliner Nahverkehr einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hat im Tarifkonflikt mit dem Unternehmen für diesen Tag zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen, wie sie am Mittwoch mitteilte. Busse, Straßen- und U-Bahnen in der Hauptstadt dürften dann weitgehend still stehen.

Der Streik solle erst am Dienstag, 28. Januar, um 3 Uhr wieder beendet sein, heißt es auf der Webseite der BVG. Auch nach Ende des Streiks könne der Verkehr noch einige Stunden unregelmäßig sein.

Die BVG wies darauf hin, dass bestimmte Buslinien nicht vom Warnstreik betroffen sind. Das liegt laut BVG daran, dass einige Linien von Subunternehmen bedient werden, für die die Tarifverhandlungen nicht gelten.

Folgende Buslinien fahren: 106, 114, 118, 133, 161, 168, 175, 179, 204, 218, 234, 275, 316, 318, 320, 326, 334, 349, 358, 363, 380, N12, N23, N35, N39, N53, N61, N69, N84, N91, N95, N97

Mit eingeschränktem Angebot sind die Buslinien M36, 112, 124, 184, 744, 893 und N68 unterwegs.

Zudem wies BVG-Sprecher Markus Falkner daraufhin, dass die Fähren der Linien F10, F11, F12 fahren.

Der BVG-on-Demand-Service Muva und die Sharing-Fahrzeuge des Jelbi-Verbundes stehen während des Streiks ebenfalls zur Verfügung.

Infos zu den Linien, die weiter in Betrieb sein werden, stellt die BVG auch ins Netz unter www.bvg.de/de/streik.

Der Aufruf zum Warnstreik betrifft auch nicht die S-Bahn Berlin und den Regionalverkehr.

Insgesamt dürfte der Warnstreik zu einem erhöhtem Verkehrsaufkommen auf Straßen, Rad- und Fußwegen führen. Die Berliner Verkehrsinformationszentrale (VIZ) rät daher, sich vor Autofahrten über die aktuelle Verkehrslage zu informieren und deutlich mehr Zeit einzuplanen.

Vor allem auf den Berliner Stadtautobahnen ist in den Hauptverkehrszeiten mit deutlichen längeren Fahrzeiten zu rechnen. Insbesondere im Bereich Dreieck Charlottenburg und Dreieck Neukölln sowie an der Baustelle auf der A115 im Bereich Kreuz Zehlendorf ist laut VIZ mit erheblichen Rückstau zu rechnen. Auch auf den zuführenden Bundesstraßen wie z. B. B1, B2, B5, B96, B96a und B158 sollten Autofahrer:innen deutlich mehr Zeit einplanen.

Folgende Streckenabschnitt besonders frequentiert

Im Berliner Stadtgebiet wird an den ohnehin schon hoch belasteten Streckenabschnitten mit nochmals deutlich längeren Fahrzeiten gerechnet - betroffen hiervon sind insbesondere folgende Bereiche:

  • Adlershof und Altglienicke: im Bereich Köpenicker Straße und Ernst-Ruska-Ufer
  • Friedrichshain: an der Baustelle Petersburger Straße und Elsenbrücke sowie rund um das Ostkreuz
  • Gesundbrunnen: im Bereich Osloer Straße und Wollankstraße
  • Haselhorst: auf der Straße Am Juliusturm und der Baustelle am Ferdinand-Friedensburg-Platz
  • Lichterfelde: im Bereich Hindenburgdamm, Ostpreußendamm und Königsberger Straße
  • Marzahn: an der Baustelle Landsberger Allee in Höhe B158 sowie im Bereich der Landsberger Chaussee
  • Mitte: rund um den Alexanderplatz und die Baustelle Mühlendammbrücke
  • Neukölln: im Bereich Karl-Marx-Straße, Hermannstraße und Grenzallee
  • Prenzlauer Berg: an der Baustelle Greifswalder Straße und im Bereich Prenzlauer Promenade
  • Wedding: an der Baustelle auf der Seestraße und im Bereich Müllerstraße
  • Westend: an der Baustelle Heerstraße sowie im Bereich Theodor-Heuss-Platz und Messe

Infos zum Verkehrsaufkommen und -einschränkungen stellt die Verkehrsinformationszentrae auch ins Netz unter viz.berlin.de.

BVG: Keine Entschädigung für Fahrgäste

Die BVG wies darauf hin, dass an die Fahrgäste des Unternehmens keine Entschädigung gezahlt wird oder ein Nachlass gegeben werde. BVG-Sprecher Markus Falkner erklärte auf rbb-Nachfrage, dass die BVG zwar kein Eisenbahnverkehrsunternehmen sei. Streik werde aber auch hier wie "höhere Gewalt" eingestuft, denn die BVG streike selbst nicht, sondern sie werde bestreikt.

Die BVG und die Gewerkschaft Verdi hatten vergangene Woche Mittwoch erstmals in der laufenden Tarifrunde miteinander verhandelt.

Verdi: BVG-Vorstand zögert die Sache hinaus

Mit dem Warnstreik reagiere man "auf die Verzögerungsstrategien" des BVG-Vorstands in den Verhandlungen, teilte Verdi mit. Obwohl man bereits im vergangenen Oktober über die Forderungen informiert habe, habe die Arbeitgeberseite in der ersten Verhandlungsrunde kein Angebot vorgelegt. "Auch wurde in den Verhandlungen deutlich, dass die Einschätzungen zu dem bestehenden Aufholbedarf bei den Löhnen zwischen Verdi und dem BVG-Vorstand weit auseinanderliegen."

BVG: "unnötige Eskalation"

Die BVG bezeichnete den geplanten Warnstreik als "unverhältnismäßig". "Die unnötige Eskalation noch vor der ersten richtigen Verhandlungsrunde widerspricht dem Wunsch aller Seiten nach konstruktiven und guten Lösungen am Verhandlungstisch – für die Mitarbeitenden, das Unternehmen und die Berliner Fahrgäste", teilte die BVG mit.

Das Unternehmen sprach von einer "konstruktiven Auftaktrunde" der Tarifverhandlungen. Die BVG habe für die anstehende Verhandlungsrunde am 31. Januar ein Angebot angekündigt.

Verdi will höhere Löhne und Zulagen

Die Gewerkschaft fordert monatlich 750 Euro mehr pro Monat. Zudem will sie ein 13. Monatsgehalt, eine Fahrdienst- beziehungsweise Wechselschichtzulage in Höhe von 300 Euro sowie eine Schichtzulage von 200 Euro durchsetzen. Die Forderungen belaufen sich nach Verdi-Angaben auf 250 Millionen Euro jährlich. 2023 lagen die Personalkosten bei der BVG laut Geschäftsbericht bei rund 820 Millionen Euro. Berlin sei laut Verdi deutschlandweit mittlerweile Schlusslicht in Sachen Bezahlung.

BVG-Vorständin: "nicht finanzierbar"

BVG-Personalvorständin Jenny Zeller-Grothe hatte die Forderungen zuletzt als "nicht finanzierbar" zurückgewiesen. "Wenn man sich die Lage des Landes, aber auch der BVG anguckt: Da liegen wir weit auseinander", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Man werde sich aufeinander zubewegen müssen.

Die Vorständin räumte zugleich ein, dass man beim Thema Entgelt Nachholbedarf habe - "auch, weil in den letzten Runden der gemeinsame Fokus auf der Reduzierung der Arbeitszeit lag". Hier sei die BVG mit einer 37,5-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich Branchenführerin. Die letzte Entgeltrunde war noch vor Beginn des Ukraine-Kriegs und der hohen Inflation.

Verdi hatte 2024 zweimal bei der BVG zu Warnstreiks aufgerufen

Verdi hatte den öffentlichen Personennahverkehr in Berlin bereits im vergangenen Jahr zweimal weitgehend lahmgelegt. Damals verhandelte die Gewerkschaft mit der BVG für die rund 16.000 Beschäftigten des Nahverkehrsunternehmens nicht über eine Entgelterhöhung, sondern um die Arbeitsbedingungen. Arbeitgeber und Gewerkschaft einigten sich im April unter anderem auf mehr Wendezeit zwischen den Routen, Urlaubsgeld und zusätzliche Urlaubstage.

Fahrgastverband kritisiert Warnstreik

Der Berliner Fahrgastverband IGEB kritisiert den geplanten Warnstreik bei der BVG. Verbandssprecher Christian Linow sagte am Donnerstagmorgen im rbb24 Inforadio, zwar habe er Verständnis für die Anliegen der Gewerkschaft. Allerdings habe er sich mehr Augenmaß gewünscht, um die Fahrgäste weniger zu belasten. So hätte der Warnstreik auch zunächst nur für einige Stunden angesetzt werden können.

Sendung: rbb 88.8, 22.01.2025, 05:30 Uhr

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193 Kommentare

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  1. 192.

    Am Montag wird gestreikt, das finde ich in Ordnung.
    Bin am Sonntag in Berlin.

  2. 189.

    Gehaltsangaben sind immer brutto, da muss nicht extra erwähnt werden.

  3. 188.

    Und Sie haben vergessen zu schreiben, das alles Brutto ist......lässt man gerne mal unter den Tisch fallen. Und für Überstunden gibt es keine 30 Prozent. Wer hat Ihnen das erzählt??

  4. 187.

    Es gab eine Zeit,da wurden der ÖPNV und die Eisenbahn noch als wichtig für die Dunktion des Staates eingeschätzt.Damals waren die Beschäftigten nicht streikberechtigt da sie beamtet waren.
    Das entsprach aber laut der Politiker,die nur von Przemysl bis Kiew die zuverlässige Uz ( ukrainische Eisenbahn).Nutzen,nicht der freien Markwirtschaft.Und Wer nicht zur Arbeit konnte kann,ist ja auch noch selber schuld hätte er nur ein Auto gekauft..So schafft man Polirikverdrossemheit bei Nichtautofahrern


  5. 186.

    Welche Zeitzuschläge kann ich bei Schichtdienst erwarten?

    Überstunden 30 %
    Nachtarbeit 25 %
    Sonntagsarbeit 25 %
    für Feiertagsarbeit sowie für Arbeit am Ostersonntag und am Pfingstsonntag 135 %
    Arbeit am Tag vor Ostersonntag, vor Pfingstsonntag und am 31. Dezember 40 %
    Arbeit an Samstagen ab 13 Uhr, soweit diese nicht im Rahmen von Wechselschichtarbeit anfällt, sowie für Arbeit am 24. Dezember 20 %
    Gibt es Weihnachtsgeld?

    Die BVG zahlt eine Weihnachtszuwendung.

    ab November 2024 – 1.900 Euro (bei unterjährigen Einstellungen wird die Zuwendung anteilig ausgezahlt)
    Gibt es Urlaubsgeld?

    Die BVG zahlt 500 Euro Urlaubsgeld mit dem Juni-Gehalt.

  6. 184.

    Liebe Egoisten, das Streikrecht ist ein Grundrecht und steht in unserer Verfassung, die nur mit 2/3 Mehrheit geändert werden kann. Euer ganzes Gejammer und Gewinsel könnt ihr euch also sparen, denn diese Mehrheit wird sich niemals finden. Wer hier die Schnauze weit aufreißt und lauthals gegen den Streik wettert, reagiert freilich völlig anders, wenn's einem selbst betrifft. Sankt Florian lässt grüßen. Solidarität Fehlanzeige. Man muss sich für manche Zeitgenossen wirklich fremdschämen.

  7. 183.

    Das sind wöchentlich 10 Stunden! Und es gibt kostenloses Essen (Verpflegungsbeutel) und Unterwäsche!

  8. 182.

    Wo ist da das Problem? Das ist wirklich nicht viel. Und wir z.B. bekommen eine Weihnachtsprämie in Höhe eines Monatsgehaltes! Und jetzt?

  9. 181.

    Die Mitarbeitenden des größten Nahverkehrsunternehmens Europas, in einer Stadt, deren Lebenshaltungskosten auf Platz 3 in Deutschland liegen, finden sich deutschlandweit auf dem letzten Platz im Gehaltsvergleich wieder. Und Ihrer Meinung nach ist das unverhältnismäßig? Vielleicht sollten Sie Verhältnismäßigkeit nochmal nachschlagen.

  10. 180.

    Hier wird wieder alles auf dem Rücken der Fahräste ausgetragen. Die BVG und Verdi interessiert das doch gar nicht. Zum Schluss erfolgt doch sowieso wieder eine Einigung. Wenn nicht gestreikt würde, hätte Verdi ja keine Daseinsberechtigung.

  11. 179.

    Liebe BVG'ler, lasst Euch nichts einreden - von wegen Kein Geld und so ein sch.... .

    Notfalls noch etwas abwarten bis die Eisenbahner zum Warnstreik aufrufen... Denn die wollen tatsächlich bis Ende März die Verhandlungen abschließen. Die Forderungen sind noch nicht bekannt.

    Wenn es da um die Beschäftigunssicherung gehen sollte - dann rappelt es im Karton vom feinsten. Mal sehen ob Verdi und EVG nicht was Bewegendes bewegen....

    Also - Euch erstmal viel Erfolg.

  12. 178.

    Hinweis in eigener Sache: . ist nicht gleich .
    Merkt man aber auch an der Sprache.

  13. 176.

    Wer soll das finanzieren? Zusätzliche 250 Millionen Euro sollen genau woher kommen? Mir ist es egal, meine Arbeit ist nur 5 Minuten von zu Hause weg und ich brauche diese Ticketpreise nicht zu zahlen.

  14. 175.

    nein 750 Euro monatlich plus 13. Monatsgehalt. Wie hier zu lesen ist, gibts sogar schon Weihnachtsgeld

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