Poliklinik Reichenbach: Rechts Eigentümer Kilian Lange, links ReichenbachsOB Henry Ruß mit dem Team vom RWS Catering Service

Sachsen Nach Schließung: Klinik in Reichenbach wird zu Gesundheitszentrum entwickelt

Stand: 14.03.2025 08:06 Uhr

Reichenbach im Vogtland erlebt derzeit eine besondere Wiederauferstehung: Im Mittelpunkt steht das ehemalige Krankenhaus der Stadt. Vor zwei Jahren wurde die Klinik unter dem Protest vieler Menschen geschlossen. Inzwischen hat ein privater Investor das Haus fast komplett wieder zum Leben erweckt – als "Gesundheitszentrum Reichenbach".

Von Bernd Schädlich, MDR SACHSEN

Zielsicher flitzt Kilian Lange durch die Gänge - der Chef der Greizer Immobilienfirma "KL Real Estate" kennt inzwischen jeden Winkel des Reichenbacher Krankenhauses. Er beschreibt die ersten Monate: "Am 1.Oktober 2023 übernommen, dann natürlich eine Planung gemacht, danach viel, viel Strukturierungsarbeit."

Seine Vision lautet: Den 12.000 Quadratmeter-Komplex durch jede Menge Umbauarbeiten für potenzielle Mieter aus dem Gesundheitsbereich attraktiv zu machen. Zu Beginn sei "Klinkenputzen das A und O" gewesen. Dann sei es darum gegangen, "das Gesamtkonzept zu vermitteln, nämlich die Symbiose der vielen verschiedenen Einheiten".

Zweistelliger Millionenbetrag investiert

Bisher sei ein zweistelliger Millionenbetrag investiert worden, sagt Lange. Eingezogen sind inzwischen zum Beispiel ein Pflegedienst, betreutes Wohnen für Senioren und ein Sanitätshaus. In der früheren Großküche bereitet ein Caterer Schulessen zu.

Ingrid Käppel gehörte zu den ersten Mieterinnen nach dem Neustart - sie betreibt eine lymphologische Schwerpunktpraxis mit Physiotherapie und sagt: "Das ist ein Haufen Pionierarbeit. Es ist gut, dass jemand gefunden wurde, der hier investiert. Letztendlich ist es auch das, was die Gesundheitspolitik eigentlich auch möchte, dass Zentren geschaffen werden".

Drei Fachärzte sind da - fünf bis sechs sollen es werden

Es solle jeder von jedem profitieren, letztendlich aber die Patienten. Wichtiger Mosaikstein sei dabei vor allem das Medizinische Versorgungszentrum, betont Eigentümer Kilian Lange. Aktuell praktizieren hier drei Fachärzte, zeitnah sollen es fünf bis sechs werden. Er werde "ständig auf Radiologie und auf ambulante OPs angesprochen - es sind noch kleine i-Punkte, die fehlen - und an weiteren Fachrichtungen arbeiten wir mit Hochdruck".

"Hälfte des Teams hat wieder zusammengefunden"

Viele ehemalige Mitarbeiter des Krankenhauses kehren zurück – so wie Jens Hartenstein und sein Team der früheren Sterilisationsabteilung. Als nun eigenständiger Dienstleister hat die Abteilung kürzlich ihren Betrieb wieder aufgenommen. Zur Freude von Jens Hartenstein. "Es ist ein Stück Heimat geworden über die Jahre. Die Hälfte des alten Teams hat sich jetzt wieder zusammengefunden. Wir waren immer ein gutes Kollektiv und auch die Rahmenbedingungen haben eigentlich gestimmt." So sei es möglich gewesen, dass sie ab dem 1. März mit der Produktion beginnen konnten.

Poliklinik Reichenbach: Rechts Jens Hartenstein, er leitet die Arbeit der Steri Sachsen GmbH – und war früher Chef der Steri am Krankenhaus, mit einer Mitarbeiterin

Jens Hartenstein (re.) mit einer Mitarbeiterin. Der frühere Chef der Sterilisationsabteilung konnte unter neuem Investor in die Klinik zurückkehren.

Oberbürgermeister freut sich, dass "im Krankenhaus wieder Leben herrscht"

Die positive Entwicklung des Krankenhausstandortes freut auch Reichenbachs Oberbürgermeister Henry Ruß (Die Linke): "Das Krankenhaus, das ist nach wie vor ein Schmerz. Der wird auch nicht so schnell vergehen, dass das zugemacht worden ist. Aber wenn in dem Krankenhaus wieder Leben herrscht, Menschen wohnen, dort Licht brennt, dann ist da etwas, wo ich sage, wenn sich das so weiterentwickelt, dann kann man ja nur zufrieden sein."

Laufe alles nach Plan, dann würden bis Ostern "die letzten Umbauarbeiten abgeschlossen" sein. Und schon bis Sommer soll das neue Gesundheitszentrum Reichenbach komplett vermietet sein.

MDR (bes)