
Myanmar und Thailand Tote und Verletzte durch schweres Erdbeben
Noch ist das Ausmaß des schweren Erdbebens in Myanmar und Thailand unklar. Besonders im Bürgerkriegsland Myanmar ist die Lage unübersichtlich. Es gibt aber inzwischen erste Berichte über Tote und Verletzte.
Das heftige Erdbeben in Südostasien hat in Myanmar und Thailand ersten Berichten zufolge zahlreiche Menschenleben gefordert. Wie viele Menschen in Myanmar ums Leben gekommen sind oder verletzt wurden, ist noch unklar. Laut der Nachrichtenagentur AFP zählte allein ein Krankenhaus in der Hauptstadt Naypyidaw etwa 20 Tote. Aus dem benachbarten Thailand meldeten Behörden drei Tote.
Andreas Hilmer, NDR, zu Hintergründen und Folgen des schweren Erdbebens in Südostasien
Wie die staatliche myanmarische Nachrichtenagentur Khit Thit Media unter Berufung auf Rettungskräfte berichtete, stürzte in der Stadt Mandalay eine Moschee ein, zehn Besucher sollen dabei getötet worden sein. In Taungoo starben demnach mindestens fünf Menschen beim Einsturz eines Klosters, in dem Vertriebene untergebracht waren. Mehrere Menschen sollen sich noch unter den Trümmern befinden. Zudem sollen in einem eingestürzten Hotel in Aung Ban, einem Ort im Landesinnern nahe dem Epizentrum, zahlreiche Menschen eingeschlossen sein.
In Sagaing brach eine alte Brücke ein. Fotos zeigten zudem beschädigte Pagoden in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw, Risse auf Straßen und Schäden an einem Krankenhaus. Das Rote Kreuz in Myanmar warnte zudem vor der Gefahr, dass Dämme entlang des Flusses Irrawaddy beschädigt worden sein und brechen könnten. Der Strom gilt als wichtige Lebensader in Myanmar.
Notstand für mehrere Regionen Myanmars ausgerufen
Seit einem Militärputsch im Februar 2021 versinkt das frühere Birma ohnehin schon in Gewalt und Chaos, verschiedene Rebellengruppen kämpfen teils erfolgreich gegen die Armee. Viele Gebiete des Landes sind nur schwer zugänglich, Informationen über Schäden und Opfer gelangen daher nur spärlich an die Öffentlichkeit.
Die herrschende Militärjunta rief für weite Teile des Landes den Notstand aus. Die Maßnahme gelte für die Hauptstadt Naypyidaw, Mandalay und für sechs Regionen und Bundesstaaten des Landes, meldete der staatliche Fernsehsender MRTV.

Das Epizentrum des starken Bebens lag in Myanmar. Das Land wird von einer tektonischen Verwerfung durchzogen.
Mindestens drei Tote in Bangkok
Das Erdbeben erschütterte auch das an Myanmar grenzende Thailand. In der Hauptstadt Bangkok brach der Rohbau eines 30-stöckigen Hochhauses nach Erschütterungen in sich zusammen. Von den Dutzenden Menschen, die von den Gebäudetrümmern verschüttet worden seien, seien mindestens drei tot, teilte der thailändische Vize-Regierungschef Phumtham Wechayachai mit. Wie die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Nothelfer berichtet, konnten mehrere Überlebende gerettet werden.
Thailands Ministerpräsidentin Paetongtarn Shinawatra, die angesichts des Erdbebens eine Reise abgesagt hatte, sagte der Bevölkerung jegliche notwendige Hilfe zu. Sie habe alle relevanten Behörden angewiesen, sich darauf vorzubereiten, Nothilfe zu leisten, erklärte Paetongtarn am Freitag. Zudem warnte sie vor möglichen Nachbeben. "Ich möchte alle bitten, ruhig zu bleiben und nicht in Panik zu verfallen, bitte seien Sie vorsichtig."
Auswärtiges Amt rät zur Vorsicht
Das Auswärtige Amt rief deutsche Staatsbürgerinnen und -bürger, die sich derzeit in Thailand aufhalten, zur Vorsicht auf. Betroffene sollten die Nachrichten verfolgen und die Verhaltenshinweise der örtlichen Behörden sowie ihres Reiseanbieters oder Hotels beachten. Zudem rief die Behörde dazu auf, sich in die Krisenvorsorgeliste des Ministeriums einzutragen beziehungsweise bereits vorhandene Angaben zu aktualisieren.
Dem Deutschen Reiseverband liegen derzeit eigenen Angaben zufolge jedoch keine Informationen über verletzte Urlauberinnen und Urlauber aus Deutschland vor, die sich in Thailand aufhalten. Aktuell seien mehrere Tausend Touristen aus der Bundesrepublik in Thailand, die wenigsten davon würden sich in Bangkok aufhalten.
Schweres Erdbeben erschüttert Myanmar und Thailand
Hilfsangebote aus dem Ausland
Aus dem Bundesinnenministerium hieß es, das Technische Hilfswerk prüfe bereits Möglichkeiten des Einsatzes, um Hilfe vor Ort leisten zu können. Voraussetzung dafür sei jedoch "ein internationales Hilfeersuchen der betroffenen Länder im Rahmen des Katastrophenschutzverfahrens der Europäischen Union beziehungsweise an die Bundesregierung direkt", so eine Sprecherin des Ministeriums. Ein solches Ersuchen liegt laut Auswärtigem Amt bislang aber nicht vor.
Ein ähnliches Hilfsangebot machte auch die französische Regierung, doch auch hier müssten Myanmar oder Thailand offiziell um die Unterstützung ersuchen. Wie die Chefin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, mitteilte, stelle die EU den Einsatzkräften in den betroffenen Regionen bereits Satellitenaufnahmen ihres Erdbeobachtungsprogramms Copernicus zur Verfügung.
Erschütterungen auch in weiteren Ländern zu spüren
Das Erdbeben, dessen Epizentrum in Myanmar, nahe der Stadt Sagaing, verortet wurde, hatte laut dem deutschen Helmholtz-Zentrum für Geoforschung und der US-Erdbebenwarte (USGS) eine Stärke von 7,7. Ein zweites Beben zwölf Minuten später soll die Stärke 6,4 gehabt haben. Der Erdbebenherd befand sich in nur etwa zehn Kilometern Tiefe. Dadurch könnten die Schäden verheerend sein, weil die Energie der Erdstöße wegen der geringen Tiefe nur wenig gedämpft an der Erdoberfläche wirken kann.
Erschütterungen waren auch in Teilen Chinas, Indiens und Bangladeschs zu spüren. In China war vor allem die an Myanmar angrenzende Provinz Yunnan betroffen, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete - unter anderem auch die Großstadt Kunming und die bei Touristen beliebten Orte Lijiang und Dali. Der Katastrophenschutz in der Stadt Ruili sprach von Schäden an Häusern und Verletzen, wie chinesische Medien unter Berufung auf die Behörde berichteten.
Wissenschaftler halten die Gefahr weiterer Erdbeben in Myanmar für sehr realistisch. Nach Angaben des Deutschen Geoforschungsinstituts (GFZ) sind mehrere Nachbeben möglich, die in der Anzahl und Stärke mit der Zeit abnehmen. So könne es in den nächsten Stunden bis Tagen Nachbeben der Stärke 6 bis 6,5 geben könne. Es könne aber auch zu einem zweiten starken Beben kommen.