Händler an der New York Stock Exchange.
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marktbericht

US-Börsen erholen sich Die Wall Street und das Prinzip Hoffnung

Stand: 24.03.2025 21:38 Uhr

Die Wall Street hat sich zum Wochenstart erholt. Anleger hoffen zunehmend auf eine maßvollere Zollpolitik der Trump-Regierung. Der DAX konnte seinen Anfangsschwung hingegen nicht halten.

Ähnlich wie in Europa wurden auch die US-Börsen heute von der Hoffnung bestimmt, dass die Zollpolitik der Trump-Regierung zukünftig differenzierter und maßvoller ausfallen könnte. Im Gefolge legte die Wall Street zu und gab diese Gewinne bis zum Handelsschluss nicht wieder ab.

Der Leitindex Dow Jones gewann am Ende 1,42 Prozent auf 42.583 Zähler. Der marktbreite S&P 500 Index legte 1,76 und die Nasdaq 2,27 Prozent zu. Der Auswahlindex Nasdaq 100 ging bei 20.180 Punkten um 2,16 Prozent höher aus dem Handel.

Zölle waren heute in New York mal wieder das große Thema der Anlegerinnen und Anleger. Diese hoffen, dass die nächste Runde der von Präsident Trump angedrohten Strafzölle gezielter und auch maßvoller ausfallen könnte als bisher befürchtet.

"Der Ton scheint sich zu ändern - von einem breit angelegten Trommelfeuer hin zu einem gezielteren - wechselseitigen Gefüge", kommentierte Stephen Innes, Managing Partner beim Vermögensverwalter SPI Asset Management.

Diese Argumentation zieht sich schon länger wie ein roter Faden durch das Handelsgeschehen, gestützt durch die zahlreichen Richtungswechsel des US-Präsidenten. Sich darauf aber zu verlassen, wäre mutig, denn Trump dürfte handeln - auch wenn noch niemand genau weiß, was am Ende stehen wird.

Auch mit Blick auf die Unsicherheit bezüglich der Zölle hatten mehrere Unternehmen ihre Prognosen für die kommenden Quartale nach unten korrigiert. "Wir glauben, die größte Auswirkung besteht darin, dass die Unsicherheit einen Großteil der Geschäftstätigkeit zumindest verlangsamt oder möglicherweise zum Erliegen gebracht hat", sagte Chris Zaccarelli von Northlight Asset Management.

Der Zollstreit der US-Regierung sowie deren radikale Sparmaßnahmen im Bereich der öffentlichen Hand hatten in jüngster Zeit zunehmend Konjunktursorgen aufkommen lassen. Gleichwohl macht die Notenbank Federal Reserve (Fed) bisher keine Anstalten, die unterbrochene Zinswende wieder aufzunehmen. Zu unklar sind noch die Auswirkungen der Zollpolitik der Regierung auf die Wirtschaft, zudem liegt die Inflation weiter oberhalb der Zielzone von zwei Prozent.

Anders als am Aktienmarkt blieben die Investoren am Rentenmarkt heute vorsichtig. Die Kurse für US-Staatsanleihen sanken, im Gegenzug stieg die Rendite zehnjähriger Papiere auf 4,34 Prozent.

An der Spitze des Auswahlindex Nasdaq 100 standen Tesla-Papiere, die in einer Gegenreaktion auf die hohen Verluste der jüngsten Vergangenheit deutlich um 11,9 Prozent nach oben sprangen. Susannah Streeter von der Investmentgesellschaft Hargreaves Lansdown begründete dies mit der Aussicht, dass "Trumps Zölle sich in Grenzen halten und den weiteren Schaden für Teslas Aussichten einschränken könnten".

Das Prinzip Hoffnung beim Thema Zölle treibt unmittelbar also auch die Fantasie der Wall Street für den E-Autohersteller von Firmenchef Elon Musk, dessen Aktie zuletzt massiv unter Druck geraten war. Medienberichten zufolge könnten die USA zunächst auf neue Zölle für bestimmte Branchen verzichten. Das berichteten das Wall Street Journal und die Finanzagentur Bloomberg unter Berufung auf Regierungsvertreterinnen und Regierungsvertreter.

Aber es sind nicht nur die Zölle, die das Tesla-Papier zuletzt massiv belasteten - Experten kritisieren, dass die Modelle in die Jahre gekommen seien und zunehmend Marktanteile verlieren, gerade auch gegen die chinesische Konkurrenz, die zudem billiger anbietet. Auch die Rolle von Elon Musk in der neuen Regierung Trump habe der Marke geschadet.

Die Papiere der KI-Koryphäe Nvidia erholten sich heute ebenfalls und rückten um 3,15 Prozent vor. Sie waren damit einer der größten Gewinner im Dow. Tagessieger waren zusammen mit der Baumarktkette Home Depot die Anteile des Online-Handelsgiganten Amazon, die um 3,59 Prozent stiegen und sich von ihrem jüngsten Zwischentief, dem niedrigsten Stand seit Ende Oktober, erholten.

Der Wochenstart verlief für den deutschen Aktienmarkt holprig. Nach flottem Start mit einem Tageshoch bei 23.137 Punkten scheiterte der deutsche Leitindex am Ende damit, nach drei Verlusttagen in Folge wieder Boden gutzumachen. Auch die Erholung der Kurse an der Wall Street verpuffte letztlich.

Am Ende ging der DAX bei 22.852 Punkten aus dem Handel, ein leichter Tagesverlust von 0,17 Prozent. Auch der MDAX der mittelgroßen Werte gab leicht um 0,1 Prozent auf 28.755 Punkten nach.

Der unstete Verlauf derzeit signalisiert weiter hohe Nervosität bei den Anlegerinnen und Anlegern. Am Dienstag vergangener Woche hatte der DAX bei 23.476 Punkten ganz knapp ein weiteres Rekordhoch erreicht - im Umfeld der Beschlüsse von Bundestag und Bundesrat zu den Grundgesetz-Änderungen für das historische schuldenbasierte Finanzpaket für Rüstung und Infrastruktur.

Als Impuls für weitere schnelle DAX-Gewinne falle dieses erst einmal weg, schrieb Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets. Dafür rücke wieder das Thema US-Zölle in den Fokus. Anfang April will US-Präsident Donald Trump weitere Maßnahmen verkünden. Bis dahin könnte laut Molnar "der Handel auch in Frankfurt eher von Zurückhaltung geprägt sein."

Die Einfuhrabgaben für Waren dürften vor allem für die stärker exportorientierten EU-Länder schmerzhaft werden, warnt Ökonom Ruben Dewitte von ING Economics.

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Update Wirtschaft vom 24.03.2025

Antje Erhard, HR, Update Wirtschaft, 24.03.2025 09:00 Uhr

Eng verbunden mit den massiven Störungen der Weltwirtschaft durch Trump ist natürlich die Rolle Chinas, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Deren Exporte werden künftig an der US-Grenze mit 20 Prozent verzollt, zudem schränkten die USA schon unter der alten Biden-Regierung die Ausfuhr hochwertiger Technologiegüter wie etwa Halbleitern immer mehr ein.

China wirbt nun mit einer Charme-Offensive um westliche Unternehmen, darunter auch deutsche. "China wird weiterhin das Geschäftsumfeld verbessern und mehr Investitionen von multinationalen Unternehmen begrüßen", sagte der stellvertretende Ministerpräsident He Lifeng nach Angaben des chinesischen Handelsministeriums bei einem Treffen mit Vertretern von Firmen wie dem iPhone-Anbieter Apple, den Pharmakonzernen Pfizer und Eli Lilly sowie dem Kreditkarten-Anbieter Mastercard.

Apple-CEO Tim Cook ist derweil in China mit dem Leiter des Chinesischen Rats für die Förderung des Internationalen Handels (CCPIT), Ren Hongbin, zusammengetroffen. Laut einer Mitteilung des Rates begrüßte Hongbin eine mögliche Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen und China im Lieferkettenbereich. Zudem hätten sich Hongbin und Cook auch über die Stärkung der chinesisch-amerikanischen Geschäfte ausgetauscht. Apple-Aktien, die seit Jahresbeginn rund zwölf Prozent gefallen sind, stiegen in New York um 1,1 Prozent.

Am Devisenmarkt schwächelt der Euro und wurde zwischenzeitlich unter der Marke von 1,08 Dollar gehandelt. Zuletzt wurden im US-Handel wieder 1,0803 Dollar bezahlt.

Die Gemeinschaftswährung konnte damit nicht von positiven Stimmungsdaten für die heimische Wirtschaft profitieren, die am Vormittag bekannt wurden. Konkret hat die deutsche Wirtschaft hat einer Umfrage zufolge im März das stärkste Wachstum seit zehn Monaten erreicht.

Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft mit Industrie und Dienstleistern stieg im März auf 50,9 Punkte von 50,4 Zählern im Februar und damit auf den höchsten Wert seit Mai 2024. Die Indikation für den morgen anstehenden ifo-Index ist damit positiv. "Trotz des weiteren Anstiegs im März befindet sich der Einkaufsmanagerindex weiter auf einem im historischen Vergleich niedrigen Niveau", kommentierte Vincent Stamer, Volkswirt bei der Commerzbank. Mit Spannung erwartet wird nun das Ifo-Geschäftsklima für Deutschland, das am Dienstag ansteht. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0824 (Freitag: 1,0827) Dollar fest.

Am Nachmittag stützte auch die Stimmung für die US-Dienstleister den Dollar. Diese lag mit 54,3 Punkten deutlich über den Erwartungen von 51,0 Punkten. Schwächer US-Industriedaten fielen nicht ins Gewicht. Der Goldpreis gibt leicht nach, behauptet sich zuletzt aber weiter leicht über 3.000 Dollar je Feinunze.

Im DAX legten SAP rund 1,3 Prozent zu. Mit einer Marktkapitalisierung von 314 Milliarden Euro ist der Walldorfer Technologiekonzern nun das wertvollste Unternehmen Europas und stößt damit den bisherigen Primus, denn dänischen Pharmariesen Novo Nordisk, vom Thron.

SAP-Aktien profitieren schon länger von einer offenbar erfolgreichen Umsetzung der Cloud-Strategie und jeder Menge Fantasie durch das Thema Künstliche Intelligenz. Dagegen steht Novo Nordisk an der Börse schon länger unter Druck. Ein guter Teil der vom Geschäftserfolg mit GLP-1-Abnehmmedikamenten getrieben Kursrally ist bereits dahin.

Schlusslicht im DAX war die Bayer-Aktie mit einem Minus von knapp sieben Prozent. Die Titel des Agrarchemie- und Pharmakonzern litten unter einem Schuldspruch im Rechtsstreit um den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup im US-Bundesstaat Georgia. Bayer kündigte an, Berufung gegen das Urteil des Geschworenengerichts einzulegen, das den Konzern zu knapp 2,1 Milliarden Dollar Schadensersatz verurteilt hatte.

Der aktivistische Investor Elliott Advisors fordert den RWE-Vorstand zu einem verstärkten Rückkauf eigener Aktien auf. Es sei notwendig, das laufende Aktienrückkaufprogramm deutlich zu erhöhen und zu beschleunigen. Das kam am Markt gut an, die RWE-Aktie gehörte zu den Gewinnern im DAX. Elliot hält nach eigenen Angaben knapp fünf Prozent an dem Energiekonzern.

Der chinesische Autobauer BYD hat im vergangenen Jahr mit einem kräftigen Verkaufsanstieg seinen Gewinn deutlich gesteigert. Unter dem Strich machte der Konzern aus Shenzen mit 40,3 Milliarden Yuan (5,1 Mrd. Euro) rund ein Drittel mehr Gewinn, wie aus einer Mitteilung an die Börse in Hongkong hervorging. 

BYD legt vor allem dank seiner günstigen Elektroautos in China zu - auch weil der E-Auto-Markt dort weiter rasant wächst und ausländische Hersteller bei Entwicklungszeiten und Kosten hinterherhinken. 2023 luchste BYD dem Wolfsburger Volkswagen-Konzern mit dessen Kernmarke die seit Jahrzehnten gehaltene Marktführerschaft in China ab.

In den deutschen Aktienindizes treten heute einige Änderungen in Kraft. Im DAX ändert sich nichts. Derweil steigen der Panzergetriebe-Hersteller Renk, der Vermögensverwalter DWS und der Online-Broker Flatexdegiro in den MDAX auf.

Dafür steigen der Finanzdienstleister Hypoport, der Spezialglashersteller Schott Pharma und der Wafer-Hersteller Siltronic in den SDAX ab. Zudem fliegt der Onlinehändler About You im Zuge der Übernahme durch Zalando aus dem SDAX. Seinen Platz nimmt der IT-Sicherheitsdienstleister Secunet ein.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. März 2025 um 09:00 Uhr in "Update Wirtschaft".